NN - Freitag, 19. September
2008 -Seite 8
„Museum“-Kino
muss schließen
Das Nürnberger Lichtspielhaus
verliert gegen die Konkurrenz
Das Nürnberger „Museum“-Kino schließt
seine Pforten. Mit Konrad Hofmann ist der nächste Betreiber gescheitert,
das kleine Lichtspieltheater hinter dem Opernhaus am Leben zu erhalten.
Kommende Woche laufen die letzten Vorstellungen. „Gegen die Großen
kann ich nicht mithalten.“ Konrad Hofmann (55) sieht die Sache pragmatisch.
„Cinecittà und Admiral bekommen die neuen Filme für Nürnberg
exklusiv, ich musste warten und meine Gäste oft monatelang vertrösten.
Wenn eine Kopie endlich verfügbar war, gab es die Filme meistens schon
auf DVD.“
2004 hatte Hofmann als kompletter Neuling das
alteingesessene Kino in der Lessingstraße (seit 1926) übernommen
und sich jeden Handgriff selbst beigebracht. Zweieinhalb Jahre lang lief
es ganz gut, dann brachen die
Besucherzahlen plötzlich ein.
Veraltete Technik
Zu den naturgemäß schlechteren Wettbewerbsbedingungen
eines Nachspielkinos kam die veraltete Technik: Das „Museum“ ist auf dem
Stand der 70er Jahre. Doch auch das Profil des kleinen Hauses (zwei Säle
mit jeweils 86 Sitzplätzen) ließ wenig Spielraum für Veränderungen.
Hofmanns Vorgänger Manfred Rölz hatte das Liebhaberkino über
Jahrzehnte hinweg als „anspruchsvolles Filmtheater gegenüber dem Opernhaus“
etabliert. Aus dem weiten Umland kam ein meist gesetzteres Publikum angereist,
um in zeitlosem Ambiente ohne Popcorn und lärmende Teeniehorden Filme
mit „Prädikat wertvoll“ zu gucken. Vor allem für seine ausgewählten
Opernfilme war das „Museum“ weithin bekannt. Doch auch hier hat das Cinecittà
als Platzhirsch längst nachgezogen: Via Satellit überträgt
das Multiplex am Gewerbemuseumsplatz live aus den angesagtesten Opernhäusern
der Welt. Im „Museum“ kommt der Sound bis heute mono aus den Boxen.
Kommende Woche wird Konrad Hofmann sein Kino
zuschließen und an die Besitzer — das benachbarte DB-Museum – übergeben.
„Man kann kein Kino betreiben und auch noch Geld mitbringen. Da muss man
einfach vernünftig sein.“
gnad |